Gott wirkt – auch im Stillstand

Liebe Gemeinde,

es ist eine außergewöhnliche Situation: Das öffentliche und kirchliche Leben kommen in diesen Wochen nahezu zum Stillstand, jedenfalls, was öffentliche Veranstaltungen betrifft. Das ist belastend. Was der Corona – Virus dabei von uns fordert, entspricht nicht unserem menschlichen Naturell: Wir sollen unsere Mitmenschen und uns selbst schützen, indem wir NICHTS tun, d.h. soziale Kontakte einschränken, Einladungen absagen, Händeschütteln verweigern und am besten zu Hause bleiben. Warten, ruhen und das Beste hoffen.

Dies scheint in den Pfarrgemeinden – so mein Eindruck – besonders schwer zu sein. Ihr Leben ist von analogen Begegnungen geprägt wie beispielsweise von Gruppen und Kreisen, Konfirmandenunterricht, Besuchen, Trauerbegleitung, Gremien und Gottesdiensten. Verstärkend kommt hinzu, dass sich in der Kirche eher ältere Menschen engagieren, die von dem Corona – Virus in besonderer Weise bedroht sind. Und jetzt? „Man kann doch vor allem keine Gottesdienste absagen!“ „Das Wort Gottes ist doch ein Lebensmittel! Gerade in so einer Krisenzeit“. Für viele ist bzw. war der Verzicht auf das gottesdienstliche Leben unvorstellbar.


Ich frage mich: Wieso eigentlich? Die Gemeinschaft aller Glaubenden darf nicht allein auf ihre grundsätzlich unersetzbaren persönlichen Begegnungen reduziert werden. Sie ist auch am Bildschirm spürbar.

„Gott spricht: Ich bin mit Dir.“ (Jesaja 41,10)

Der Geist Gottes weht, wo und wie er will! Genau dafür gibt es spirituelle Impulse in Funk und Fernsehen sowie etliche Online-Angebote. Jetzt könnte ihnen eine ganz besondere Bedeutung zukommen. Übrigens wurde von der Evangelischen Kirche in Österreich ein Youtube – Kanal eingerichtet. Jeden Tag (außer sonntags) um 12.00 Uhr wird ein Mittagsgebet aus einer evangelischen Kirche in Österreich „gesendet". Man kann die Gebete direkt um 12.00 Uhr oder später ansehen.

 
So kann dieser Stillstand auch eine geistliche Chance sein: Sich auf die eigene Mitte besinnen, mehr beten oder überhaupt mal damit anfangen, Online-Angebote und Gottesdienste / Andachten in Funk und Fernsehen wahrnehmen und vielleicht auch mal allein in die Bibel schauen. Wer weiß, was aus dieser Zwangspause alles erwachsen kann?!


Zugleich bleiben große Herausforderungen: Wie bewältige ich als Alleinstehende(r) meine Einsamkeit? Wie regele ich organisatorische Notwendigkeiten wie etwa das Einkaufen von Lebensmitteln? Wie lernen Familien auf engsten Raum ihr Leben zu gestalten und z.B. das Home-Office der Eltern mit den Bedürfnissen der Kinder, die zu Hause bleiben müssen und ihre Freunde / Freundinnen nicht treffen dürfen, zu verbinden? Und wie gehe ich selbst mit der Angst vor einer möglichen Infektion um, wenn ich nicht bereits infiziert bin?     

Für Telefongespräche stehe ich Ihnen in dieser herausfordernden Zeit gern zur Verfügung  (Sprechzeiten: Dienstag und Donnerstag von 9 – 11 Uhr und nach persönlicher Vereinbarung; Tel.: 02252 89135). Sollten Sie Hilfe beim Einkaufen benötigen, können Sie uns unter der gleichen Nummer kontaktieren. Vorerst sind sämtliche Veranstaltungen, die einen persönlichen Kontakt von Menschen voraussetzen, abgesagt. Der nächste Gottesdienst ist bis dato am Palmsonntag (5. April 2020) geplant. Ob dieser Gottesdienst tatsächlich stattfinden kann, erfahren Sie rechtzeitig auf unserer Homepage www.evangelischleben.at. Hier erhalten Sie auch stets aktuelle Informationen über die Veranstaltungen in unserer Pfarrgemeinde.                    

Nehmen wir diese Krise ernst und gestalten wir sie verantwortlich. Hoffen und beten wir für die betroffenen Menschen in unserem Land und auf der ganzen Welt. Wünschen wir jenen, die an vorderster Stelle helfend oder steuernd tätig sind, Kraft, Zuversicht und Besonnenheit. In einer Zeit, in der zu Recht fehlendes Mitgefühl und eine soziale Verrohung beklagt wird, könnte diese Krise ja auch eine Chance sein, das menschliche Gesicht unserer Gesellschaft zu zeigen, wie wir es vielfach und über unsere Grenzen hinaus beobachten dürfen.    

„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheusbrief 1,7)

 

Ihr Pfarrer

Mag. Wieland Curdt, MSc

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