"Es geht nur, wenn du mutig bist."

Gertraud Lugsch geht als Leiterin des Ökumenischen Kindergartens in Pension. Sie hat viel bewegt, viel mitgetragen und war in Zeiten der Unsicherheit ein Fels in der Brandung. Was zwei Pfarren vor 15 Jahren ins Leben gerufen haben, hat sie mit pädagogischem Know‐How, Einfühlungsvermögen und ihrer starken ökumenischen Überzeugung groß gemacht.

Frau Lugsch, eine Ära geht zu Ende. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den Ruhestand?

Dankbarkeit. Ich blicke auf 37 erfüllte Berufsjahre zurück. Ich bin vielen Glaubensvorbildern und Lebensmenschen begegnet und bin persönlich dadurch sehr gewachsen. Ich verspüre eine tiefe innere Zufriedenheit, dass ich mich nicht geirrt habe. Mein Beruf war meine Berufung.

Sie haben als Pädagogin und Leiterin viel bewirkt. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Da gibt es vieles. Was mich aber besonders berührt und bewegt, ist, dass es mir gelungen ist, Kindern und Eltern in meiner persönlichen Weise die Freude am Religiösen zu vermitteln.

Wie, glauben Sie, konnte Ihnen das gelingen?

Durch Wertschätzung gegenüber anderen, durch meine innere Überzeugung und durch Stabilität und Klarheit im Glauben.

Wodurch gewinnen Sie diese innere Stabilität und Klarheit?

Zum einen durch ein fundiertes Glaubenswissen, eine eigene Glaubensbiografie und natürlich die ständige persönliche und religionspädagogische Weiterentwicklung. Ich habe nie etwas gleich gemacht. Anders könnte man vermutlich 37 Martinsfeste nicht mit derselben Freude und Leidenschaft machen (lacht).

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere am ökumenischen Gedanken?

Offenheit, Toleranz und Respekt. Die Bereitschaft, auf andere zuzugehen, und die bewusste Auseinandersetzung mit dem Glauben. Das Motto des Kindergartens "Miteinander - Füreinander" beschreibt es sehr gut. Unsere Zeit, in der wir heute leben, braucht Religion und ein starkes Miteinander.

Woher nehmen Sie Ihre stets positive Einstellung?

Ich habe irgendwann erkannt, dass man im Leben nicht immer der ist, der auch erntet. Unterm Strich geht es doch darum, dass eine Gemeinschaft in Summe profitiert. Wenn man das beherzigt, bekommt man im Leben auch viel zurück.

Das hat man bei Ihrem Abschied im Sommer gesehen. Die Gemeinschaft hat viel von Ihnen profitiert.

Es war so schön, wie viel Anerkennung und Wertschätzung ich von offizieller Seite, aber auch von Kolleginnen, Eltern, Kindern und ehemaligen Kindern und Eltern bekommen habe. Ich fühle mich so getragen, dass mir der Abschied jetzt auch leichter fällt.

Eine abschließende Frage: Wie kann es weitergehen? Wie, glauben Sie, kann unsere Pfarre Ökumene über den Kindergarten hinaus leben?

Es geht nur, wenn du mutig bist. Man muss sich einfach trauen, etwas zu bewegen. Vieles geht nicht von heute auf morgen, aber unsere Gesellschaft braucht engagierte Christen. Wir müssen durch wertschätzende Gespräche, gemeinsame Veranstaltungen und konstruktive Auseinandersetzungen mehr Präsenz in der Öffentlichkeit pflegen.

Liebe Frau Lugsch, vielen Dank für das Gespräch! Wir hoffen, Sie bleiben der Pfarre als engagierte Christin weiterhin erhalten, und wünschen Ihnen für Ihre Pension alles Gute, viel Schönes und für Sie persönlich auch da und dort eine reiche Ernte.

Dieser Bericht stammt aus dem Pfarrblatt der Pfarre Baden ‐ St. Christoph, Ausgabe 10, September-November 2019
Das Interview führte Alexandra Wechtl. Unter www.baden-st-christoph.at/galerie/abschied gibt's zahlreiche Fotos vom rührenden Abschied.

Die Evangelische Pfarrgemeinde bedankt sich ebenfalls ganz herzlich bei Frau Lugsch für Ihre großartige Arbeit und wünscht ihr für ihren neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute!

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