"Diese Lösung ist eine Farce"

Pfarrer Wieland Curdt hält nichts von persönlichem Feiertag

Um alle Österreicher gleichzustellen, hat die Regierung beschlossen, einen persönlichen Feiertag als Ersatz für den Karfreitag einzuführen. Für die Evangelischen ist das aber kein Vorteil, war der Karfreitag für sie doch bislang ein echter Feiertag. Nun geht er auf Kosten ihres Urlaubssaldos.

Im Jahr 1955 hat die österreichische Regierung beschlossen, den Karfreitag zum gesetzlichen Feiertag für alle Evangelischen zu machen. Seit der Vorwoche ist das Geschichte. Zwar müssen die Gläubigen nach wie vor an diesem Tag nicht zur Arbeit gehen, allerdings ist für diesen „persönlichen Feiertag" ab heuer ein Urlaubstag zu opfern.

Der Leiter der Evangelischen Gemeinde Baden, zu der auch Pfaffstätten, Alland und Heiligenkreuz gehören, Wieland Curdt, spricht in diesem Zusammenhang von einer Farce. „Welche lebensentscheidenden Prinzipien dominieren in der Gesellschaft und was sind die Werte, die den Weg für Entscheidungen ebnen?", fragt Pfarrer Curdt, der überzeugt ist, dass in diesem Fall eindeutig den Interessen der Wirtschaft Vorrang eingeräumt wurde. „Jedes Zeitalter hat seine Angst. In der Antike war es Angst vor Schicksalsschlägen, im Mittelalter  die Angst vor ewiger Verdammnis und heute ist es die Angst vor Sinnleere. Religion verliert zunehmend an Bedeutung. Geld und Macht nehmen zu, vermitteln aber kein Gefühl der Sättigung", philosophiert der evangelische Pfarrer, der nicht versteht, wie man Ostern und die Auferstehung ohne Karfreitag feiern sollte.

„Das ist der höchste Feiertag, den wir in der evangelischen Kirche feiern. Der persönliche Feiertag ist eine Farce und Dreistigkeit, die mich verletzen. Man verspürt auch kein Mitgefühl von der Regierung und kein Wort des Bedauerns. Durch diese Lösung fühle ich mich ein Stück weit verletzt in meinen religiösen Gefühlen. Nicht nur ich, auch meine Gemeindemitglieder sind betroffen. Das ist das Brechen eines öffentlichen Versprechens. Ich war zwar nicht dabei und möchte niemandem Unrecht tun, aber ich habe das Gefühl, dass wir bei den Verhandlungen über den Tisch gezogen wurden", hält Curdt nicht mit Kritik hinter dem Berg.

„Warum macht man nicht den Karfreitag zum echten Feiertag für alle und streicht dafür den Pfingstmontag? Das wäre eine faire Lösung gewesen", meint der Pfarrer, der vor knapp vier Jahren aus Deutschland nach Baden gekommen ist, und sich trotz dieser Entwicklung hier sehr wohl fühlt. „Ich habe zum ersten Mal das Gefühl wirklich zu Hause zu sein. Das liegt an der Lebensqualität und am Pfarramt. Es ist schön, etwas bewegen zu können. Die Menschen hier sind feinfühlig. Diskussionen verlaufen wertschätzend und respektvoll. Das ist nicht überall so", sagt der Geistliche, der viele Jahre auf „Wanderschaft" war und viele Pfarren kennengelernt hat. Jetzt freut er sich schon auf die „Lange Nacht der Kirchen" am 24. Mai. Dabei wird es in Baden erstmals einen „Church Walk" geben, der ein buntes Programm in drei verschiedenen Kirchen bietet. Los geht´s um 19 Uhr in St. Stephan mit Chormusik. Um 20.15 Uhr erwartet die Besucher ein Vortrag von Rudolf Maurer in der evangelischen Kirche, bevor um 21.15 Uhr in St. Josef Organisten ihr Bestes auf dem neuen Instrument geben.

Rainer Dietz, Herausgeber und Verlagsleiter Badener Zeitung

Foto: Rainer Dietz, Badener Zeitung

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