Baden sagt „Ja" zur Homo-Ehe

Evangelische Gemeinde stimmte mehrheitlich dafür

Bereits vor der Synode, dem Gremium der kirchlichen Selbstverwaltung bei den Evangelischen, war die Badener Evangelische Gemeinde aufgefordert abzustimmen, ob gleichgeschlechtliche Paare im Gottesdienst getraut werden dürfen. Fast 86 Prozent sprachen sich dafür aus. 

Im Jahr 2017 hat der Verfassungsgerichtshof entschieden, dass in Österreich sowohl die Ehe als auch die eingetragene Partnerschaft für alle Menschen möglich sein muss. Damit können sich schwule oder lesbische Paare seit heuer auch dafür entscheiden, eine Ehe am Standesamt zu schließen, und heterosexuelle Paare eine eingetragene Partnerschaft eingehen.

Während die römisch-katholische Kirche und deren hohe Würdenträger dies heftig kritisierten, begrüßte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker den Gerichtsentscheid. Nun ging man bei den Evangelischen sogar noch einen Schritt weiter. Die jeweiligen Gemeinden wurden aufgefordert, darüber abzustimmen, ob es in Zukunft Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare in Evangelischen Gotteshäusern geben soll. Das Ergebnis der Badener Gemeinde fiel dabei besonders eindeutig aus. Satte  86 Prozent sprachen sich dafür aus. „Ich freue mich über dieses klare Votum, das ganz meinen Ansichten entspricht", sagt der Leiter der Evangelischen Gemeinde Baden, Pfarrer Wieland Curdt. „Das es so klar ausfällt, hat mich aber überrascht." Für Curdt steht fest, dass die Ablehnung der homosexuellen Trauung nicht dem Gebot der Nächstenliebe entspricht. Vielmehr gleiche sie der Stigmatisierung einer gesellschaftlichen Minderheit, die ihre sexuelle Orientierung nicht gewählt hätte, nicht selten unter ihr leidet und mit inneren sowie äußeren (z.B. familiären) Konflikten belastet sei. Zugleich wären Homosexuelle in ihren Partnerschaften nicht nur als Individuen, sondern auch als Paar zu achten.

„Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was sind eigentlich die konstituierenden Elemente eines evangelischen Eheverständnisses? Und inwiefern geht eine homosexuelle Partnerschaft mit ihrem Wesen konform? Nach evangelischem Verständnis ist die Ehe kein Sakrament, sondern – wie Martin Luther keineswegs abwertend formulierte – ein „weltlich Ding". Sie ist der Versuch, das Leben miteinander zu teilen. Es geht dabei um eine verbindliche Lebensgemeinschaft, die durch lebenslange Treue und wechselseitige Fürsorge konstituiert ist. Dabei sollten sich die Paare in ihrer Identität wechselseitig stabilisieren und sich in ihrer persönlichen Entfaltung fördern. Warum sollten nun homosexuelle Paare diese Zweierbeziehung nicht in gleicher Weise leben und erfahren können wie heterosexuelle Paare?", so der Pfarrer, der sich auch die Frage stellt, wie man zwei homosexuelle Menschen, die in einer Partnerschaft glücklich miteinander sind, die Segnung vor diesem Hintergrund verweigern könnte.

„Für die Gemeindeleitung der Evangelischen Pfarrgemeinde ist die Gleichstellung homosexueller Paare und damit auch ihre kirchliche Trauung eine notwendige Konsequenz dieser Überlegungen. Sollte diese Gleichstellung von Unbehagen und Ablehnung begleitet werden, hat dies aber auch seine Berechtigung. Die Evangelische Kirche lebt von der Vielfalt und ihrem lebendigen Diskurs, stets geleitet von ihrem Grundsatz, sich in einem steten Reformprozess zu befinden. Den evangelischen Christen und Christinnen, die diesen Weg nicht mitgehen können, wünsche ich, dass ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Evangelischen Kirche durch diese Entscheidung nicht wesentlich beeinträchtigt wird, so dass ihr großes „Ja" zur Evangelischen Kirche ihr „Nein" zu dieser Entscheidung aufnehmen kann", so Pfarrer Wieland Curdt.

Rainer Dietz, Herausgeber und Verlagsleiter Badener Zeitung

Foto: Pixabay

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